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Kerzenserver

Aus dem Archiv

Eine Kerze anzünden für …

Von 2004 bis 2013 war kerzenserver.de eine Gedenkseite mit virtuellen Kerzen. Was auf dieser Domain vorher stand — und warum die alten Adressen hierher führen.


Wer heute auf kerzenserver.de landet, findet ein Magazin über Kerzen, Wachse und Düfte. Zwischen 2004 und 2013 stand hier etwas anderes: eine Gedenkseite, auf der Besucherinnen und Besucher eine virtuelle Kerze anzünden konnten. Man trug ein, für wen die Kerze brennen sollte, schrieb ein paar Zeilen dazu — und die Kerze bekam eine eigene Adresse, die man weitergeben konnte.

Was auf dieser Seite stand

Die Startseite trug den Satz „Eine Kerze anzünden für …“. Im Juni 2008 zeigte sie 16.373 Kerzen. Sie waren in Kategorien sortiert, und dieser Katalog erzählt die Zeit ziemlich genau: Ereignis/Tsunami, Ereignis/11. Sept., Ereignis/Erdbeben, Ereignis/Schule Beslan, daneben Mensch/Tod, Mensch/Vermissen, Mensch/Liebe, Mensch/Prüfung, Tier/Tod, dazu Feiertage von Neujahr bis Weihnachten.

Es gab eine besondere Kategorie: die ewige Kerze, die nicht nach einigen Tagen erlosch, sondern stehen blieb. Es gab einen Kerzenfilter nach Sprache, ein Gästebuch, ein Forum, einen Chat und eine Bildergalerie. Und es gab einen eigenen Bereich für die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 — die Seite entstand in genau den Monaten, in denen das Internet zum ersten Mal in großem Stil als Ort öffentlicher Trauer genutzt wurde.

Warum das hier steht

Die alten Adressen dieser Seite — Adressen mit index.php?kerze=, light.php oder gb.php — existieren nicht mehr. Die Datenbank mit den Einträgen ist nicht Teil dieses Projekts, und sie wieder zu veröffentlichen wäre auch nicht richtig: Es waren persönliche Nachrichten von privaten Menschen, viele davon Trauertexte, mit Vornamen und Wohnort. Solche Daten gehören nicht zurück ins Netz, nur weil eine Domain den Besitzer gewechselt hat.

Was bleibt, ist diese Seite: ein Ort, an dem die alten Links landen, statt ins Leere zu laufen — und der ehrlich sagt, was hier einmal war.

Die Linie vom Gedenklicht zur Duftkerze

Der Bruch zwischen damals und heute ist kleiner, als er wirkt. Eine Kerze anzuzünden ist seit Jahrtausenden dieselbe Geste: Man macht etwas sichtbar, das sonst nur gedacht wird. Ob das Licht in einer Kirche steht, auf einem Grab, auf einem Geburtstagstisch oder abends im Wohnzimmer — die Handlung ist die gleiche. Genau davon handelt der Rest dieses Magazins.


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